Dienstag, 24. August 2010

Eindrücke, Ausdrücke - NO ENTIENDO!

"Argentinien? Dieses Land gibt es nicht. Es ist pure Prahlerei.
Argentinier, & besonders die Bewohner von Buenos Aires,
sind oberflächlich, frivol & snobistisch.
Politisch zählt Argentinien nicht. Und ökonomisch?
Die Militärs haben es ausgeraubt & ruiniert.
Argentinien ist ein Land, dessen Bewohner nicht
einmal Ihre eigene Währung akzeptieren"
(Jorge Luis Borges, 1989)

Argentinien - ein Aussenseiter in Südamerika. Es nimmt praktisch den gesamten Südteil des Kontinents ein & ist nach Brasilien das grösste Land - immerhin mit einer räumlichen Ausdehnung, die in etwa derjenigen Indiens entspricht. Selbst unsere kleine Schweiz könnte man ca. 67 mal in Argentinien quetschen. Es reicht von den Anden im Norden über die fruchtbare Pampa bis hinunter zur Eiswelt Feuerlands im fernen Süden. Aber es sind weniger seine landschaftlichen Extreme als seine Bewohner, die Argentinien zu einem ganz besonderen Land machen.
In Argentinien habe ich mich bis jetzt nie ausgeschlossen gefühlt. Dieses Land ist eines der Zuwanderer & Immigranten. In fast jedem argentinischen Herzen schlägt "falsches" Blut - insbesonders Europäer wie Italiener, Deutsche,..! Selbst meine Familie ist viertel Deutsch, viertel Italiener & halb Argentinien. Jeder dieser Zuwanderer hat ein kleines Stückchen seiner traditionellen Kultur mitgebracht, beispielsweise ein Stück italienische Pizza oder das englische Polo. Und daraus ist eine einmalige Mischung entstanden - kein Eintopf, sonder ein Gericht, in dem noch alle Zutaten zu unterscheiden sind.
Schon als ich im Taxi steckte um zu Helga Fourcade zu gehen, wurde ich vom Taxifahrer gefragt, wie es mir gefalle - obwohl ich das Land erst ein paar Minuten betreten habe. Er hat mir dann auch schon zu verstehen gegeben, dass in Argentinien die schönsten Männer sowie Frauen sind, die besten Steaks brutzeln, die besten Fussballer spielen & dass es überhaupt kein besserern Platz auf der Erde gäbe - wenn die Politiker nicht alle Diebe wären. Also stimmt es doch, dass Argentinier in einem solchen Masse von sich überzeugt sind, dass sie als arrogant gelten. Zum Stolzsein haben die Argentinier aber auch allen Grund. Nicht nur wegen ihrer generösen Natur, dich ich bis jetzt zu sehen bekam. Auch kulturell kann sich das Land mit Höchstleistungen schmücken - vom Tango ganz abgesehen.
Allgemein sind Argentinier weder bescheiden noch leise. Ein permanenter Lärmpegel liegt über der kleinen Stadt Cinco Saltos. Jeder spricht zugleich, und das immer lauter, ja man schreit sich geradezu an. Gequasel, Gewisper - keine andere Nation, neben den Italiener, schein mir so mittelungsbedürftig zu sein, geradezu leidenschaftlich dem Klatsch, dem Trsch, der Lästerei zu frönen wie die Argentinier - was übrigens insbesondere auf die Herren der Schöpfung zutrifft! Ja, es gibt wahrhaftig auch genügend Lästeronkels :-D!
Das mit der Zeit habe ich auch noch nicht ganz im Griff. Alles wird irgendwie um ca. 3h verschoben. Mittagessen gibt es an Wochenenden um 3 & Abendessen erst gegen 11. Wichtige Meetings werden erst gegen 24:00 Uhr durchgeführt. Nachts um 3 sind die Avenidas von Cinco Saltos stärker bevölkert als nachmittags zur Siesta - aber dies ist eher an Wochenenden so. Denn auch Argentinier müssen mal arbeiten oder zur Schule gehen - & am Montag werde ich fürs erste Mal die Schule betreten. Ich befürchte schlimmstes.

Übrigens, habe ich mich schon gut eingelebt. Alle behandeln mich als ihr Eigen & sind wirklich sehr liebenswert. Auch meine Familie hat sich langsam in mein Herz eingeschlichen. Vor allem meine Gastschwester Noe, die in Deutschland ein Austauschjahr machte! Ohne sie, wäre ich hier total ausgeschmissen - Danke NOE!

hasta pronto*

Sonntag, 22. August 2010

Das Land der Rechtsvortritte, Küsse & Kalorienbomben.

Endlich, nach ca. 29h Reise bin ich gestern angekommen. Ein Gefühlsmeer von Hochs & Tiefs brach durch mich durch als wir fürs letzte Mal Schweizer Luft atmen durften. Schon komisch, das Gefühl, zu wissen, dass man das Land, das man vorhin nur für kurze Zeit verliess, nun ein ganzes, langes Jahr nicht sehen wird. Ich erwähne schon gar nicht den Abschied von meinen Liebsten. Ein letzter Blick aus der Passkontrollscheibe genügteum eine Zeit mein Herz in Stillstand zu bringen & meinem Tränenfluss den allerletzten Kick zu geben. Glücklicherweise trat ich aber nicht alleine aus dem Land, sondern hatte noch 3 andere Schweizer (Meret, Mara & Delia - Danke euch 3) an meiner Seite. So stürzten wir zusammen ins grosse Abenteuer.

In Buenos Aires war ich zuerst wie verloren, irgendwie war niemand da mit einem Schild oder etwas anderem in der Art.. Nur ein älterer Mann mit "VIVE BAVER". Warm war irgendwie auch noch. Man sagte mir, dass es so kalt ist - also packte ich mich mit warmen Kleidern ein - Fehlanzeige - ES WAR SO HEISS! Alle Leute schauten mich schon schräg an. Peinliche Aktion # 1! Aber nun, was tun so allein? Dank unserem Rotary Blazer habe ich eine andere Austauschschülerin (Olivia) kennengelernt. Mit ihr machten wir uns auf die Suche, nach den verschollenen & versprochenen TaxiDrivers. Doch mein
e Spanischkünste liessen zu Wünschen übrig & ich konnte irgendwie niemanden fragen wie, wo, was ich jetzt tun sollen. Aber wie es mein Witzgott so will, war es natürlich das alte Männlein mit dem "VIVE BAVER"-Schild :D! Ich wurde, wie üblich, zuerst abgeküsst & vollgequastelt - nicken & lächeln - mein Geheimrezept bei Missverständnissen. Küssen ist argentinischer Volkssport - jeder, wirklich JEDE SAU, ob er dich jetzt
kennt oder nicht, drückt dir einen fetten Schmatzer auf die Backe & lächelt dich bis über alle vier Backen an. Aber das argentinische Volk ist echt symphatisch. In Buenos Aires hatte ich ca. 7h Aufenthalt & ging mit der Tochter meines Cousellers, Helga in einem Spurt durch Buenos Aires & besichtigte alles aus der Sicht eines Rennwage
nfensters. Heimatland, die BuenosAiresMenschen haben einen Zacken drauf. Die rennen Alle als ginge es um Peso & Che Guevara.
In Cinco Saltos/Neuquén angekommen, erwartete mich schon meine Familie mit Anhang. Alle strahlten mich an & ich war so erleichtert. Direkt nahmen sie mir meine ganze Baggage ab & führten mich zu ihren Autos. Aber fahren können die Argentinier alle nicht - egal ob da mal ein Kreisel ist, ob jetzt da 40 steht - es wird alles gebrochen - ob Regeln oder Stossstange! Allgemein sind die Strasse alle bolzen Gerade. Nicht eine kleine Kurve - diese Stadt ist zugepflastert mit Rechtsvortritten - Kontra für alle Junglenker. Aber hier darf sowieso jeder fahren, se
lbst mein 16jähriger Gastbruder, hat das Ste
uer schon lange im Griff. Auch wenn mal die Strasse nicht so gut gepflastert ist - egal, sie haben ja sowieso nicht so moderne Autos - "mach ich kaputt." :)! Alles egal hier! :D Heute habe ich meine Gasteltern gefragt, wann ich zur Schule gehen soll - egal, ich könne ja erst nächste Wochen gehen. Egal, egal, egal - was gibt es nicht schöneres als Tun & Machen was man will - nein nicht ganz, aber fast.
Auch mit der Sprache kommt's langsam. Viele Wörter im Argentinischen Dialekt sind zwar anders als im "richtigen" Spanisch, aber wird schon schief gehen. Beispielsweise sagen die Argentinier für du /"tù" - vos! Egal :)

Hach & bevor ich's vergesse - Essen hier ist toll. Ich fange schon gar nicht erst an vom Fleisch zu reden. Oder Facturas - nein, keine Rechnungen - herrlichstes Gebäck mit Dulce di Leche (argentinisches Nutella, einfach 1000x bess
er). Oder Pastelito - Blätterteiggebäck mit Konfitüre. ODER Mate - eine argentinische Tradition - ist eine A
rt Tee wo mein in einen Behälter Kräuter rein tut & mit einem speziellen "Röhrli" trinkt. Man hat mich vorhin schon gewarnt, dass man das überall trinkt - es ist wahrhaftig so. Überall, seis auf der Strasse, im Auto, bei der Eisbahn (ich war sogar scho
n Schlittschuhlaufen hier :) ) trinkt man Mate. Unglaublich, aber toll.


..bis dahin
hasta luego y nos escritos :)
beso - die argentinische bibienne, deren argentinischen Freunde keinen "V" aussprechen können.

Mittwoch, 18. August 2010

Das Leben im Schaufenster...

Von 51 zu 1 - morgen ist es so weit.
Es ist echt schwer, alles so zu realisieren. Man nimmt Abschied von den Letzten, manch Träne fliesst & du weisst, alles nur wegen dir. Ich fühle mich, als ob man mich in einem Schaufenster bei Loeb eingesperrt hat. Die ganze Welt dreht sich weiter, ausser mein Schaufensterplatz. Irgendwie bleibt alles stehen in meinem Sein. Entweder will ich es nicht wahrhaben, dass ich nun bald für ein Jahr von der Bildfläche verschwinde oder mein Körper hat extrem hormonelle Störungen, dass er sich weigert, dass Traurigkeitsgefühl rauszuspucken & mich weinen zu lassen. Selbst nicht richtig weinen konnte ich bis jetzt.

Komisches Gefühl die ganze Geschichte...
31h Flug stehen vor der Tür & zwingen mich in die Stützstrümpfe. Allein bin ich glücklicherweise nicht - drei Andere aus der Schweiz begleiten mich mit bis nach Buenos Aires.

Bis dahin,
hastamalaika, nos vemos en Argentina*

Montag, 26. Juli 2010

Auf die Plätze, feritg, L O S!

Heute heisst meine magische Zahl 25! Der Countdown läuft. Nur noch 25 Tage & ich verziehe mich für ein Weilchen von der estethischen & natürlichen Umgebung der Schweiz in das kalte Argentinien, wo das Thermometer momentan das Köpfchen bei -23°C anschlägt. Liebe Wintersachen, versprecht mir einfach, dass ihr mir nicht zu viel Platz wegnehmt. Mitnehmen darf ich nebenbei nur 23 Kilo (sonst extrem viel Aufpreis) & wie mich wahrscheinlich jede Frau tiefgründig verstehen wird, können wir Frauen uns einfach nicht kurzfassen. Angefangen mit einer riesigen Packliste, packt mich die Angst. Unsinnige Sachen sollte ich einfach hier lassen - aber was ich als Unsinnig empfinde, gehört noch zur wöchentlichen "EinMillion-Frage"...

Das Visum ist im Sack & damit auch die grosse Anspannung. Irgendwie kann ich es noch gar nicht fassen, dass ich gleich meine Liebsten für ein Jahr zurücklassen muss & im Prinzip
fast auf mich alleine gestellt bin. Mit meiner zweiten Gastfamilie habe ich auch schon Kontakt aufgenommen, Familie Sinigoj-Gonzales mit Barbara (18) Fransico (25) & Iara (22) & Mama Sandra. Sie leben in Néuquen - 20 min. von meiner Gastfamilie entfernt. Néuquen ist eine kleine Dinosaurierstatt :-) - dort fand man vor kurzem ein in sehr gutem Zustand erhaltenes Skelett. Vivienne & die tanzeden Dinosaurier - voilà. :-)

Mittwoch, 30. Juni 2010

..wie Speedy Gonzales.

51 - noch 51 mal schlafen & ich werde mich für ein Jahr von feinstem Rindfleisch & temperamentvollsten Charaktereigenschaften Argentiniens ernähren - die Zeit vergeht schnell, fast zu schnell...

...momentan befinde ich mich in einem Stadium des Mischsalates. An Tagen wie heute, würde ich mich am liebsten mit Händen und Füssen wehren in das Flugzeug einzusteigen & mich für ein Jahr von allen & allem zu verabschieden. Doch wiederum an anderen Tagen bekomme ich buchstäblich eine Herzkollaps, sehe ich annähernd nur eine argentinische Flagge oder höre ich nur schon ein spanisches Wort. Spanisch - mein Stichwort. "Yo no hablo español muy bien pero yo entiendo un poco." - soll so viel heissen wie, ich kann nicht so gut Spanisch reden, aber ich verstehe ein bisschen. Den Grundwortschatz habe ich langsam intus. Wichtigste Wörter wie, "ich verstehe nicht" & "Könntest du das bitte wiederholen" haben sich in mein Hirn eingemeiselt. Und wie kann es auch anders sein! Ich kann sogar schon auf Spanisch fluchen - was beim erlernen einer Fremdsprache allmählich normal ist..


Alles in allem geht es gut voran. Den Papierkrieg bewältige ich mit meinen Soldaten mit Bravur & im Unterschreiben glänze ich nahezu wie ein Topf voll Weihnachtschmuck.

Heute habe ich sogar den Namen meiner Schule erhalten & die 2. Familie, die mich dann für eine Zeit am Hals hat... Die Schule - in der Schweiz sind wir mit unseren "härzigen" Betonklötzen ziemlich verwöhnt, denn meine Schule sieht auf Fotos aus wie ein überdimensional grosser Monopoly-Würfel, der 1000 von Schülergehirnen zu glühen bringt. Doch was man auf Fotos sieht, sieht in echt oftmals ziemlich besser aus (ich hoffe sehr!). Schüleruniformen sind in ganz Argentinien Pflicht - demnach werde ich singend durch Argentiniens Strassen hüpfen, mit 2 Zöpfchen im Haar & einer Schleife um den Kopf - juhuu, welch Euphorie.

Auch die Abflugszeit habe ich bereits erhalten - Freitag gegen 20:00 Uhr sitze ich in der AirFrance & winke mit einem Croissant & einem Thé Crème meiner Familie zu & begebe mich nach Paris. Von Paris aus geht es nach Buenos Aires & von dort aus nach Neuquen, wo übrigens auch meine Schule ist.

Falls jemand noch ein paar Pins der Schweiz besitzt & dieses nicht mehr braucht, ich stelle mich gerne als Abfalleimer zur Verfügung & nehme sie mit einem Lächeln entgegen. :-)

bis dahin halte ich euch noch auf dem Laufenden..

Samstag, 15. Mai 2010

20. August - Adieu Schwiiz, holà Argentina

Nach einem langen Tag in Olten habe ich endlich mein Abreisedatum erhalten. Während die Einen im OpenAir Gampel ihre Festerlaune aufrecht behalten, werde ich heulend aber auch glücklich in den Flieger steigen & mich von meinem Schweizer Leben für ein Jahr verabschieden. Auf mein Austauschjahr freue ich mich tierisch - ich könnte Wort wörtlich losbrüllen wie ein Affe vor Freude - hingegen aber auch losheulen wie ein Schosshund.
Aber bis dahin verbleiben noch etwas mehr als drei Monate & kann euch demnach noch in vollen Zügen geniesse. :-)

Montag, 10. Mai 2010

Der Schneegott ist auf meiner Seite!

In Geschichte gedeihen unsere Hirnzellen nicht nur wegen historischen Ereignissen zu wundertollen Blumen, man kann sich auch die Zeit nehmen um im Internet zu surfen & sich schlau zu machen, wo man den es in Argentinien eigendlich genau hin geht.
Meine Gastfamilie hat mir mitgeteilt, dass ihre Ortschaft in der Nähe von Bariloche ist. Bari was? - Bariloche. Eine grosse Touristenstadt am Fusse der Anden & an der Grenze von Chile, betupft mit einer traumhaft schönen Skilandschaft -

Cerro Catedral

















Einer Comic-Figur ähnlich flogen mir die Augen regelrecht aus dem Kopf & ich konnte keinen einzigen Gedanken in meinem Gehirnchaos mehr einfangen. Ich war ausser mir vor Freude & machte mich schlauer & schlauer über dieses Wunderstädtchen. Die einzige offene Frage die sich mir noch in den Weg stellt ist, was versteht eine argentinier Familie unter "in der Nähe von uns"? - ich hoffe nicht allzu weit :-)


http://de.wikipedia.org/wiki/Bariloche